Schnitt um Schnitt
Schmal wie bei einem Kinofilm erscheint das Bild. Zwei breite schwarze Balken oben und unten begrenzen den Ausschnitt und betonen die Horizontale. In viereinhalb Minuten gibt der Film „Plastic Surgery" dynamisch geschnittene Einblicke in die Arbeitswelt der Abteilung Plastische Chirurgie um Prof. Peter Vogt von der Medizinischen Hochschule Hannover.
Zugleich begleitet im Hintergrund frische Instrumentalmusik die Bilder. Kurze Passagen mit Großaufnahmen Vogts lösen sich mit Einstellungen von operierenden Ärzteteams ab, Szenen wie Patientenberatung und Teambesprechung folgen. Immer wieder zoomt das Kameraauge an Details heran: flinke Hände ziehen in hellen sterilen Gummihandschuhen den Faden der Naht fest. Während dessen hört der Zuschauer die Statements des Professors zu den Schwerpunkten seines Fachgebiets. „Mit dem Film wollten wir dem Patienten anschaulich darstellen, welche Bandbreite plastische Chirurgie beinhaltet und sie von der Schönheitschirurgie abgrenzen", sagt Vogt.
Zeitweise sieht man sogar zwei unterschiedliche Bildausschnitte gleichzeitig. Durch den so genannten Splitscreen, kann der Filmemacher die Informationen verdichten. Rechts sieht man eine Operationsszene. Links demonstriert eine Hand ihre feinmotorischen Fähigkeiten nach einem rekonstruktiven Eingriff.
„Der Gesamteindruck aus Bildern, Stimme, Musik und Schnitt soll den Zuschauer, den potentiellen Patienten positiv einstimmen und informieren, nicht aber schockieren", erklärt Jan A. Wolff von Nextframe, „das ist eine Gratwanderung". Er hat den Film produziert. „Es sollte kein Blut fließen, trotzdem wollten wir den künftigen Patienten so nah wie möglich heranlassen", erzählt Wolff.
Durch das Einfärben der Bilder erreicht er beim Zuschauer unterschiedliche Gefühlslagen. So soll der Film von Professor Vogt Professionalität und Know-how betonen, deshalb tauchte Wolff mehrere Bilder in kühles Blau.
Dagegen vermittelt die eigene Stimme des Chefarztes Menschlichkeit und Authentizität. Oft werden für solche Aufgaben extra professionelle Sprecher beauftragt. „Jeder von uns ist heute schon sehr anspruchsvoll geworden in Bezug auf seine medialen Sehgewohnheiten", sagt Wolff, „in Zukunft werden wir von noch viel mehr Bildern umgeben sein." Er sieht deshalb auch im Medium Image-Film einen Wachstumsmarkt. Der Endkunde werde immer preis- und qualitätsbewusster und fordere Informationen und Emotionen ein, bevor er eine Leistung einkauft.
Bereits während seines Architektur- und Fotografiestudiums entdeckte der 43-Jährige seine cineastische Leidenschaft. Er fing an, damit zu experimentieren, bei der Präsentation seiner Entwürfe setzte er auf das Medium Film. Später arbeitete er als Architekt und in anderen kreativen Feldern. Er war Kommunikationsberater, Gestalter und Autor. Bei der Expo 2000 in Hannover war er Projektmanager. Seit einem Jahr betreibt Wolff als Kopf und Gründer seine Fullservice-Agentur: Nextframe bietet im Bereich Medizin & Health Care Image- und Werbefilme für Messen und Kongresse, so wie wissenschaftliche und medizinische Dokumentationen.
Als neuen Baustein ihrer Kommunikationsstrategie plant Petra Perleberg einen Image-Film zum Gesamtangebot ihres weltweit renommierten Hauses im Bereich Thoraxchirurgie und Onkologie. Sie ist Presse- referentin am Marienkrankenhaus
in Hamburg und hat Nextframe mit der Produktion des Imagefilms beauftragt – in zwei Versionen: auf Deutsch und Englisch. Die internationale Version des Films soll auf einer Messe in Dubai arabische Patienten in die Hansestadt locken.
Der Film sei für ihre Zwecke
das adäquate Marketinginstrument. Nach dem Messeauftritt erscheint der Film später auf der Homepage des Hauses und die DVD liegt Mailings bei. „Neben der medizinischen Kompetenz wollen wir die menschliche Wärme unseres Hauses darstellen", erzählt Perleberg. Die individuellen Persönlichkeiten der Ärzte und Pflegekräfte sollen beim Patienten für Vertrauen werben und neben ihrem fachlichen Können ihre soziale Kompetenz unterstreichen. „Hier steht ganz klar die emotionale Botschaft im Vordergrund", so Wolff. In warme Ocker-Töne wird er sie eintauchen, weiß er schon.
| This product information was first published in Management & Krankenhaus 2/2005. |



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